Veranstaltungen & News

Veranstaltungen «Buch & Bildung»

Das Buch ist tot! Es lebe das Buch!

Die Jesuitenbibliothek organisiert in regelmässigen Abständen Buchpräsentationen, Lesungen und Gespräche. Leitung des Programms: Franz-Xaver Hiestand SJ

  • «Das aktuelle Buch»: Buchpräsentation von Neuerscheinungen, in der Regel mit den Autoren
  • «Buch im Gespräch»: Kurzpräsentation von Büchern mit gemeinsamer Lektüre und moderiertem Gespräch
  • «Das Buch der Bücher»: Biblische Bücher als Literatur gelesen. Kurzpräsentation, gemeinsame Lektüre und Gespräch
  • «Buch und Film»: Präsentation und Gespräch zu Büchern und ihrer Verfilmung. Filmvorführungen

 

20.01.2026 | Das aktuelle Buch

Über Eric-Emmanuel Schmitts "Jerusalem - Meine Begegnung mit dem Heiligen Land"

 
Eric-Emmanuel Schmitt gehört zu den bekanntesten und produktivsten französischen Schriftstellern. So hat er z.B. „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ verfasst. Papst Franziskus lud ihn ein, eine Reise ins Heilige Land zu unternehmen, und Schmitt hat die Einladung angenommen. Resultat ist das Buch „Jerusalem. Meine Begegnung mit dem Heiligen Land“ (orig: Le défi de Jérusalem), eine gelungene Mischung aus Pilgerbericht und Reflexion auf die eigenen Erfahrungen.

Pater Christian Rutishauser SJ, selbst ein Jerusalempilger, diskutiert mit Francesco Papagni über das Buch.

Ort: Jesuitenbibliothek, Hirschengraben 74 in Zürich, 19.00 Uhr
 
Eintritt frei

 

25.03.2026 | Buch im Gespräch

Adrian Loretan: Der demokratische Rechtsstaat

Zur Rechtskultur des Westens und der Westkirche

Mit Prof. Dr. Adrian Loretan, Prof. Dr. Andreas Kley und Francesco Papagni.

Ort: Jesuitenbibliothek, Hirschengraben 74 in Zürich; Beginn: 19.00 Uhr

Eintritt frei

News

Neu: Rechnungsunterlagen jetzt in swisscovery verfügbar

Ab dem 28. Januar 2026 steht Endnutzer:innen in swisscovery der neue Zugang zu Rechnungsunterlagen zur Verfügung.

Bibliothekskund:innen können ihre Rechnungen für Bibliotheksgebühren nun nicht nur wie bisher per E-Mail erhalten, sondern diese auch direkt im swisscovery-Konto als PDF-Dateien einsehen und herunterladen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rechnungen werden weiterhin per E-Mail an ihre hinterlegte E-Mail-Adresse versendet.
  • Zusätzlich sind neue Rechnungen ab dem 28.01.2026 im swisscovery-Konto unter
    «Mein Konto → Rechnungen» abgelegt.
  • Dieser Bereich dient als Dokumentenablage. Ein Zahlungsstatus wird aktuell nicht angezeigt.
  • Die Rechnungen sind institutionsübergreifend sichtbar, da einzelne Rechnungen Gebühren mehrerer Bibliotheken enthalten können.


Bitte stellen Sie sicher, dass Ihre E-Mail-Adresse in Ihrem swisscovery-Profil aktuell ist, damit Sie weiterhin alle wichtigen Mitteilungen erhalten.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Bibliotheksteam.

Ein Blick auf die Tradition der Biblia pauperum

Die unter der Bezeichnung Biblia pauperum bzw. Armenbibel erfasste Gruppe von rund 80 Handschriften – darunter zählen auch einige Blockbücher – stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. In ihrer Mehrheit hatten diese Schriften ursprünglich keinen Titel oder waren mit unterschiedlichen, den Inhalt ausführlich beschreibenden Überschriften versehen. Ihr gemeinsames Merkmal ist, dass sie zu einer thematisch und formal begrenzten Gruppe typologischer Schriften des Mittelalters zählen. Anfänglich aus bibliothekarischen Gründen und vermutlich angeregt durch einen nachträglich hinzugefügten Eintrag in einer Handschrift in der Wolfenbütteler Landesbibliothek (er beginnt mit «hic incipitur bibelia pauperum») als biblia pauperum bezeichnet, bürgerte sich dieser Titel im Verlaufe der Zeit immer mehr ein und dient in der neueren Forschung als eine allgemein anerkannte Zuschreibung zu einem genau bestimmbaren Korpus von Schriften. Die Bezeichnung Biblia pauperum wird u.a. auch dafür verwendet, um die gemeinte Werkegruppe von gleichfalls illustrierten, typologisch aufgebauten, in Prosa oder in Reimen verfassten Andachtsbüchern wie dem Speculum humanae salvationis und der Concordantia salvationis zu unterscheiden.

Mit der Biblia pauperum liegt ein wirkungsgeschichtlich einflussreiches Modell einer typologisch konzipierten Schrift vor, die in Bildern und Texten Begebenheiten und Personen aus dem Neuen Testament Ereignissen und Personen aus dem Alten Testament gegenüberstellt. Dabei stellen die alttestamentlichen Ereignisse und Personen Vorlagen (Typus) für neutestamentliche Ereignisse und Personen (Antitypus) dar. Ihre Zuordnung erfolgt nach unterschiedlichen Kriterien: Parallelisierung, Präfiguration von etwas Zukünftigen und die Abfolge von Prophetie und deren Realisierung. Dabei spielen didaktische und memorative Absichten eine wichtige Rolle; entscheidend ist aber die theologische Intention: Altes und Neues Testament sind durch einen göttlichen Heilsplan so miteinander verknüpft, dass die neutestamentlichen Ereignisse (Antitypus) die alttestamentlichen Gegebenheiten (Typus) in ihrer Bedeutung erst erkennen lassen, wobei gleichzeitig der (alttestamentliche) Typus den (neutestamentlichen) Antitypus in einen heilsgeschichtlichen Ablauf von der Schöpfung bis zum Endgericht einordnet. Dabei werden die herangezogenen alttestamentlichen Begebenheiten nicht als Vorstufen einer evolutionären Entwicklung gedeutet, sondern als entscheidende Momente der Heilsgeschichte verstanden, d.h. in ihrer Autonomie gewahrt.

Jede Darstellung einer Szene aus dem Neuen Testament wird rechts und links je von einer typologischen Darstellung umrahmt: auf der linken findet sich eine Darstellung eines alttestamentlichen Ereignisses, das vor der Übergabe der Thora am Berg Sinai an das Volk Israel stattgefunden hat. Darum wird dieser Typus oft mit der Kennzeichnung «ante legem», d.h. «vor dem Empfang der Thora» gekennzeichnet. Parallel dazu wird der Typus auf der rechten Seite als «sub lege», d.h. «in der Zeit unter der Thora» markiert. Zusätzlich wird der (neutestamentliche) Antitypus durch vier, in Medaillons eingezeichneten Prophetenporträts umrahmt. Jedes Porträt ist mit einem Zitat des dargestellten Propheten versehen, das sich auf den entsprechenden (neutestamentlichen) Antiypus bezieht. Da unter die prophetischen Schriften auch die Psalmen gezählt werden, findet sich regelmässig auch das Porträt von König David unter den Prophetenbildern. Jeder Typus ist mit einem paraphrasierenden Zitat, das die im Typus dargestellte Szene belegt, versehen. Texte und Bilder stehen in einer präzisen Zuordnung zum Antitypus, so dass für den Benützer der biblia pauperum ein einheitlicher Eindruck entsteht, wobei die dargestellten bzw. zitierten Ereignisse in ihren Differenzen erhalten bleiben.

Die einzelnen Exemplare der biblia pauperum folgen einem Kanon der Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum Endgericht, wobei in der Abfolge der «Mysterien des Lebens Jesu» unterschiedlichen Anordnungen möglich sind. Dabei lassen sich acht Schwerpunkte in der Darstellung der Heilsgeschichte unterscheiden: Ankündigung und Geburt des Messias, Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, Taufe und öffentliches Auftreten Jesu, weitere Begebenheiten aus dem Leben Jesu, Verrat Jesu, Passion und Tod, die drei Tage bis zur Auferstehung, die Erscheinungen des Auferstandenen, Gründung und Triumph der Kirche. Einige Exemplare enthalten als Schlussteil eine Bildgruppe über das Endgericht. Die Weimarer Handschrift Fol. max 4 enthält zusätzlich eine Bilderfolge der Apokalypse des Johannes und schliesst mit einem Bild des Gekreuzigten zwischen Kirche und Synagoge ab.

Gerhard Schmidt hat in seiner grundlegenden Studie «Die Armenbibeln des XIV. Jahrhunderts» (1959) nicht nur die ikonologischen Differenzen zwischen den einzelnen Exemplaren der biblia pauperum untersucht, sondern auch eine Systematisierung der Beziehungen zwischen Antitypus und den verschiedenen Typen untersucht. Dabei unterscheidet er vier Arten der Beziehung. Die häufigste Art ergibt sich auf einer äusseren Ähnlichkeit zwischen den Situationen bzw. der Hauptfiguren der Vorbilder und des Antitypus- So z.B. in der Bildgruppe «Grablegung», in der die Grablegung des gekreuzigten Jesus in Parallele gesetzt wird zu Joseph, der von seinen Brüdern in die Zisterne geworfen wird und zu Jonas, der vom Fisch verschlungen wird. G. Schmidt spricht in diesem Fall von «Situationsreimen». Sehr selten sind die Gruppen auf der Grundlage der «Bildassimilation», bei denen die Vorbilder dem Antitypus angeglichen werden, so dass eine gewisse Ähnlichkeit in den dargestellten Personen und Handlungen erkannt werden kann. Neben den Situationsreimen bilden die sogenannten «Bedeutungsreime» die zweitwichtigste Gruppe der Typologien. In ihnen werden alttestamentliche Ereignisse als allegorische Vorwegnahmen des Antitypus erkennt. Dazu gehören u.a. die Gruppen Taufe Jesu, Verklärung Jesu, Abendmahl, Kreuzigung und Öffnung der Seitenwunde Jesu und das Pfingstereignis. Als letzte Art finden sich Gruppen, die nach der Zuordnung von Weissagung und deren Erfüllung gestaltet sind. Diese finden sich in den Gruppen um das Geheimnis der jungfräulichen Mutterschaft Mariens. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bedeutungsreime vor allem in jenen Bildgruppen zu finden sind, in denen es um neutestamentliche Begründungen dogmatischer Aussagen und der Sakramentenpraxis. Zieht man zur Deutung der einzelnen Gruppe noch die jeweiligen vier Prophetenporträts und die damit verknüpften Zitate heraus, ergeben sich weitere Zuordnungen, die Einzelaspekte der Vorbilder und des Antitypus allegorisch interpretieren.

In der Jesuitenbibliothek können eingesehen werden: Die Biblia Pauperum aus dem Codex. Pal. Lat. 871. Faksimile, Zürich 1982; Biblia Pauperum. Apocalypsis. Die Weimarer Handschrift. Faksimile, Leipzig und Frankfurt/M. 1997; Floridus Röhrig, Der Verduner Altar. Wien, 5. Aufl. 1979. Ausserdem wurde eingesehen: Gerhard Schmidt, Die Armenbibeln des XIV. Jahrhunderts. Graz-Köln 1959.

Zum Tod von Peter Bichsel am 15. März 2025

Peter Bichsel beginnt eine von den sieben Geschichten über alte Männer, von denen er in «Kindergeschichten» (1969, u.ö.) erzählt, auf folgende Weise: «Ich habe die Geschichte, von einem Mann, der Geschichten erzählt-Ich habe ihm mehrmals gesagt, dass ich seine Geschichte nicht glaube. […] Das beeindruckte ihn nicht. Er erzählte ruhig weiter, und als ich rief: ´Sie Lügner, Sie Schwindler, Sie Phantast, Sie Betrüger!’ da schaute er mich lange an, schüttelte den Kopf, lächelte traurig und sagte dann so leise, dass ich mich fast schämte: Ámerika gibt es nicht.´ Ich versprach ihm, um ihn zu trösten, seine Geschichte aufzuschreiben.»  Und dann folgt eine Geschichte, mit der der Erzähler seine Behauptung, Amerika gäbe es nicht, zu beweisen versucht, dass seine Erzählung über die Entdeckung Amerikas von ihm erfunden worden sei, obwohl seit Amerigo Vespucci Millionen von Menschen über ihre Reise und ihren Aufenthalt in Amerika berichten. Peter Bichsel fasst diese Geschichte über den Erzähler mit zwei Sätzen zusammen. «Aber immer noch streiten sich die Leute darüber, wer Kolumbus wirklich war. Ich weiss es.» Holt der erste Satz den Leser auf den Boden einer noch heute geführten historischen Debatte zurück, so rettet der Schlusssatz durch die diskrete Wahrung der Identität des Erzählers dessen Ehre. Was ist die Ehre des Erzählers? Trotz der zu Beginn der Erzählung «Amerika gibt es nicht» geäusserten Vorbehalten lässt sie sich immer wieder erzählen treten neue Aspekte in den Vordergrund – wie ein Kaleidoskop, das mit jeder Drehung neue Farbkonstellationen sichtbar werden lässt.

Bei der Verleihung des Gottfried Keller-Preises 1999 an Peter Bichsel hat der Literaturwissenschaftler Peter von Matt ihn nicht nur als einen Erzähler beschrieben, sondern als einen intensiven Leser gepriesen. «Wilhelm Meisters Wanderjahre» und Jean Pauls Werke sind jene Texte, von denen er ständig zehrt, weil er diese Werke «erzählerisch» liest. Peter von Matt ordnet ihn jene Autorengruppe ein, die «nach dem Ende des alten Erzählens, und all sein Erzählen ist Erinnerung daran, ist Erzählen als Gedenken an das alte Erzählen.»

Es ist darum nicht überraschend, dass Peter Bichels Werk auch das Interesse von Theologen gefunden hat: Die Theologische Fakultät der Universität Basel verlieh ihm 2004 den Ehrendoktor der Theologie. Hier ist nicht der Ort, diese Auseinandersetzung zu rekonstruieren, wohl aber an die Dankesrede von Peter Bichsel zu erinnern. Er schildert darin eine nächtliche Eisenbahnfahrt, die er mit einem ägyptischen Feuerwehroffizier als zufälligen Reisebegleiter erlebt hat. Nachdem beide sich als Bücherliebhaber zu erkennen geben haben, resümiert Peter Bichsel einen komplexen Dialog über das Lesen «Heiliger Texte», bis die beiden die Ankunft in Assuan die beiden trennt. Erst in diesem Augenblick offenbart Peter Bichsel seinen Zuhörern, dass sein Reisebegleiter kein Englisch verstand und er kein Arabisch sprechen könne: «Trotzdem, wir verstanden uns. Könnte es sein, dass wir uns übers Lesen verstanden haben, über das ähnliche Lesen – über das Lesen des Unverständlichen.» Dieser Schlusssatz überrascht; sogleich beginnt man wieder den Bericht über das Gespräch während der nächtlichen Bahnfahrt zu lesen. Man ahnt das Unausgesprochene in dieser Begegnung und es lässt einem nicht los.

Peter Bichsel starb am 15. März 2025, wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag. Eine Reihe seiner Bücher findet sich in der Jesuitenbibliothek.

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